Lucas Cranach d. Ä. / Werkstatt - Martin Luther

von Stephan Franck


Martin Luther! Kommt man aus irgendeinem Grunde auf diese Persönlichkeit zu sprechen, denkt man sich auf wundersame Weise das Antlitz des großen Reformators hinzu. Dies hat wohl damit zu tun, dass Lukas Cranach, einer der bekanntesten deutschen Maler der frühen Neuzeit, ein einprägsames Portrait Luthers geschaffen hat. Der Wittenberger Hofmaler wählte für dieses Bild ein sehr kleines Format - die Tafel misst gerade einmal 18,5 x 15 cm. Es ist eine von zwei Miniaturdoppelportraits. Das Gegenstück bildet den zweiten großen Reformator Philipp Melanchton in ebenbürtiger Weise ab.

Vor dem moosgrünen Hintergrund ist der Wittenberger Theologe als halbseitiges Bruststück abgebildet. Der fixierende, nach links gerichtete Blick und die leicht zusammengepressten Lippen signalisieren Entschlossenheit und Scharfsinn. Gleichwohl bemerkt der Betrachter den gutmütigen Ausdruck der lebendigen Augenpartie. Mit gleicher Bestimmtheit umschließt Luther mittels seiner Hände die kunstvoll ausgearbeitete Bibel. Mimik und Gestik sind somit Ausdruck seines uneingeschränkten Vertrauens an die Gerechtigkeit im Glauben, der sola gratia. Lukas Cranach und Martin Luther kannten sich bei der Entstehung des Bildes bereits ein Vierteljahrhundert.


Zahlreiche Portraits Luthers als Mönch, als Gelehrter oder als Junker Jörg kommen aus der Werkstatt des Wittenberger Workaholics und verweisen auch auf die freundschaftliche Verbundenheit beider Persönlichkeiten. Doch erst die weit verbreiteten Kupferstiche schaffen ein verbindendes Image zwischen Luther als herausragende Ikone der mitteldeutschen Reformbestrebung und der Reformation als geisteswissenschaftliche theologische Größe.





Lucas Cranach d. Ä. / Werkstatt - Martin Luther

Öl auf Holz, 1534, je 21 x 16 cm, Galerie der Uffizien in Florenz

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