Claude Monet - Japanische Brücke im Garten von Giverny

von Alexandra Tuschka


Monet malte dieses Gemälde als er bereits seit einigen Jahren auf seinem Landsitz wohnte. In den 30 Jahren, die er sich dort aufhielt, thematisierte er fast ausschließlich diesen Garten, den man auch heute noch besichtigen kann. Licht und Schatten und der Einfluss verschiedener Tages- und Jahreszeiten sowie die subjektive Wahrnehmung auf die Motive machten den Garten zu einem unerschöpflichen Fundus. Monet studierte diesen so akribisch, dass er über 250 Werke zum Thema Seerosen und seinem selbst gepflegten Ziergarten schuf.

Das Motiv der japanischen Brücke im Bildmittelpunkt ist eines der seriellen Werke aus seinem Garten. Frontal wird die japanisch gestaltete Holzbogenbrücke von der Westseite seines großen Teiches gezeigt, der von hohen Trauerweiden umgeben ist. Wegen der reichen Ufervegetation bleibt der Blick im grünen Dickicht gefangen, der Horizont und der Himmel können nicht ausgemacht werden, aber sind in den Wasserspiegelungen angedeutet, weshalb Monet seine Bilder als “Reflexlandschaften” bezeichnete. Das parallele Holzgeländer an der Brücke weist die einzig linearen Strukturen im Bild auf, doch dem Betrachter wird eine genaue Fokussierung auf das Motiv erschwert. Unscharf und von den Bildkanten abgeschnitten wölbt sich der Weg über den Teich, während darunter gelbe, grüne und rote Nuancen in gezielten, aber momenthaften Pinselstrichen und -tupfern ein Konvolut aus Algen, Seerosenblüten und -blättern sowie reflektierenden Wasserflächen bilden.


Selten sah Monet ein Werk als vollendet an und hatte Grund zur stetigen Nacharbeit, weshalb auch nur ein kleiner Anteil seiner Werke von ihm signiert wurde. Nach einer zusammenhängenden Bildserie von zehn Jahren setzte er sich von 1908 bis 1920 für zwölf Jahre nicht mehr mit seiner japanischen Brücke auseinander, anschließend hatte er die symmetrische Struktur aufgehoben und deutete die Brücke inmitten einer Farbmasse nur noch mit zwei dunklen Bögen an. Doch während seine Gartenszenen zur Jahrhundertwende kleine Formate besaßen, wuchsen sie zu anschließend zu immer größeren Dimensionen. 


Claude Monet - Japanische Brücke im Garten von Giverny

Öl auf Leinwand, 1899, 88,3 × 93,1 cm, National Gallery in London

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