Nicolas Poussin - Die Aussetzung Mose

von Alexandra Tuschka


Die Aussetzung des Kindes begründet bereits eine Geburtslegende, wie wir es von Ödipus oder Romus und Remulus kennen und ist daher ein beliebter Moment in der bildenden Kunst. In Poussins Szene sind sieben Personen anwesend, die alle verschiedene Emotionen zeigen und nur durch die Kenntnis der Bibelgeschichte erschließbar sind. Die Eltern von Mose fühlen sich gezwungen, ihr Neugeborenes auszusetzen, denn der Pharao hat angeordnet, alle Babies im Nil zu ertränken. Er fürchtete, dass das Volk der Israeliten zu groß werden könnte. Die Eltern — Amram und Jochebed — jedoch zeigen Herz und legen das Kind im Gottvertrauen ins Wasser. Diese Szene ist hier zu sehen.




Die Szene spielt sich am Ufer des Nils ab. Der Palast des Pharaos weilt im Hintergrund und hat Ähnlichkeiten mit der Engelsburg in Rom. Auch weitere Elemente der Umgebung von Rom sind erkennbar und offenbar eingeflossen. Der Vater ist links im Bildrand zu sehen, er wird von dem bereits etwas älterem Kind Aaron begleitet. Der Vater drückt sein Leid durch seine Körperhaltung zu, der Junge wendet sich um und sucht den Blickkontakt zur Mutter. Er vermittelt auch den Betrachterblick. Jochebed erwidert den Blick. Sie kniet und lässt das Kind frei, ihre linke Hand ist geöffnet; ihr Gesichtsausdruck zeugt von ihrer Verzweiflung. Die Dame in der Mitte stellt die ältere Schwester Miriam dar, die mit ihrem Finger warnend zum Pharao zeigt. Die Geste drückt aber auch den Fortgang der Geschichte aus, denn das Kind wird flussabwärts gleich in die Arme der Pharaonentochter gleiten und dort in Sicherheit sein. Am Ufer befinden sich zwei weitere Gestalten, die unbeeindruckt vom Geschehen sind. Sie sind durch ihre Attribute — die Pfeile im Köcher und das Instrument — als Sphinx und die Flussgottheit Nil zu identifizieren. Sie verweisen auf die ägyptische Umgebung, die Poussin zu Lebzeiten nicht gesehen hat und somit auf seine Phantasie zurückgreifen musste.


Nicolas Poussin - Die Aussetzung Moses

Öl auf Leinwand, 1654, 105 x 204 cm, Ashmolean Museum in Oxford

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