Lucas Cranach d. Ä. — Das ungleiche Paar

von Frauke Maria Petry


Vor einem dunklen Hintergrund legt ein zahnloser Greis lüstern einer jungen Frau seine Hand um die Taille. Der schwarze, breitkrempige Hut und die pelzbesetzte Schaube des Alten zeugen von seinem Reichtum. Durch seine karikaturhafte Fratze dominiert das Groteske, sodass der Unterschied zwischen den Figuren gesteigert wird. Sie kontrastieren in Alter und Schönheit. Während sie ihm liebkosend den Bart krault, bietet er ihr eine Goldkette an. Daher wird das Paar meist als Prostituierte und Freier gedeutet. Es ist ein moralisierendes Sinnbild der käuflichen Liebe. Da die Erotik aber vergleichsweise schwach ist, könnte auch eine Versorgungsehe gemeint sein.

‚Das ungleiche Paar‘ oder ‚Buhlschaft‘ ist sowohl weltliches Genrebild als auch in christlichem Sinne Lasterdarstellung. Es zählt zur sogenannten ‚Weibermacht‘. In dem seit der Antike geläufigen Darstellungsepos werden verschiedene Beispiele aufgeführt, wie Männer den Reizen einer Frau erliegen und sich ihr freiwillig unterwerfen.


Das Sujet erfreut sich in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts besonderer Beliebtheit und wird daher von Lucas Cranach d. Ä. in insgesamt 40 Variationen aufgegriffen. Der Maler gilt als Hauptvertreter der Reformations-Kunst und als einer der produktivsten Künstler der Deutschen Renaissance . Der Hofkünstler des sächsischen Kurfürsten Friedrich III. in Wittenberg musste einem hohen qualitativen und quantitativen Anspruch gerecht werden. Dies gelang ihm durch den Aufbau einer leistungsstarken Werkstatt und ökonomischer Arbeitstechniken.


Lucas Cranach d. Ä. — Das ungleiche Paar

Öl auf Buchenholz, 1530, 38,8 x 25,7 cm, Museum Kunstpalast in Düsseldorf

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