Max Liebermann - Die Papageienallee

von Alexandra Tuschka


Es ist wohl das bekannteste Gemälde des „deutschen Impressionisten“ Max Liebermann: Die Papageienallee. Durch den lebendigen Pinselduktus muss sich das Auge erst einmal nach den Papageien auf die Suche machen. Ein roter Ara auf der Mittelachse links öffnet seine Flügel; auf der anderen Seite rhythmisieren Gelbhaubenkakadus und Aras den Weg. Auf diesem flanieren Mütter und Kinder in den Bildgrund hinein. Auch die axial auf einen zentralen Fluchtpunkt zulaufende Allee übt einen außerordentlichen und natürlichen Sog auf den Betrachter aus, diesem zu folgen. Rechts hat sich ein Herr mit seiner Tochter zur Ruhe auf eine Bank gesetzt. Einer der Kakadus überschaut aufmerksam über ihnen das Geschehen. Das Geschehen wird von Baumwipfeln bekrönt, welche dieses eher jedoch zart als imposant bedachen.

Max Liebermann entdeckte das Bildthema im Sommer 1901, als er den Amsterdamer Zoo besuchte. 1902, nach zahlreichen Studien vor Ort und einer ersten Gemäldefassung entstand dieses Hauptwerk. Die Papageienallee lag damals wie heute direkt am Eingangsbereich des Zoos und führte die Besucher in eine andere Welt ein.


Max Liebermanns Spätwerk zeichnet sich durch den Einfluss der Holland-Reisen aus. Die Maler des 17. Jahrhunderts, allen voran Frans Hals, beeinflussten Liebermanns Art zu Malen und führten ihn zu einem spontaneren, freieren Duktus . Natürlich kann in Deutschland nur bedingt von einem Impressionismus die Rede sein. Dennoch äußert sich in diesem Werk sehr wohl die Motivation, den Moment mit flirrenden, winzigen Pinselstrichen einzufangen; die Auflösung der Formen durch Farb- und Lichtreflexe. Jedoch wird die Modellierung von Figuren und Objekten sowie die räumliche Staffelung und die Gesetze der Perspektive von den deutschen Malern nicht vernachlässigt. Hier ist Liebermanns Palette heller als in den Frühwerken. Außer dern farbigen Akzenten der Aras spielt sich die Farbgebung in Grau, Braun und Beige ab.


Max Liebermann - Die Papageienallee

Öl auf Leinwand, 1902, 88 x 72,5 cm, Kunsthalle in Bremen

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