Fernand Khnopff - Liebkosungen

von Alexandra Tuschka


Ödipus und Sphinx neigen zärtlich ihre Köpfe aneinander – oder sollen wir lieber sagen: der Maler und seine Schwester? Denn im Gesicht des Jünglings hat der Maler ein Selbstporträt versteckt; im Gesicht der Sphinx das seiner Schwester. Diese stand ihm wiederholt Modell, so dass ihre Gesichtszüge in zahlreichen Werken des Belgiers wiederkehren. Nur ihr Körper wurde durch den eines Leoparden ersetzt.

Dieser drückt vielmehr Wohlgefallen als Bedrohung aus. Der Po ist unnatürlich in die Höhe gestreckt - womöglich ein Zeichen, dafür, dass die Idylle trügerisch ist: separiert man das Hinterteil, könnte die Katze grade zum Sprung ansetzen. Vielleicht ist die Geschichte von Honoré de Balzacs „Leidenschaft in der Wüste“, in welcher sich ein Soldat in der ägyptischen Einöde in einen Panther verliebt.

Die hier gezeigte Sphinx hat zusätzlichen hohen, symbolischen Gehalt, da sie den Inbegriff der verführerischen Femme fatale darstellt. In der griechischen Mythologie ist die Sphinx stark mit einem konfliktbeladenen Geschlechterverhältnis verknüpft. Umso spannender wird die Frage nach dem Verhältnis des Malers und seiner Schwester in diesem Zusammenhang.




Fernand Khnopff - Liebkosungen

Öl auf Leinwand, 1896, 50,5 x 150 cm, Musée Royaux des Beaux-Arts in Brüssel

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