Jan Asselijn - Der bedrohte Schwan

von Dr. Stefanie Meier-Kaftan


Wer schon mal einem Schwan begegnet ist, vielleicht dazu mit Hund, weiß, welch verteidigendes Verhalten sie annehmen können, wenn es um ihr Gelege oder ihre Jungen geht. Das Verhalten von Höckerschwänen zeichnet sich dadurch aus, dass sie wenig scheu und insbesondere in ihrem Brutgebiet oft aggressives Verhalten zeigen. Demonstrativ zeigt er durch sein aufgebauschtes Gefieder, die weit auseinandergestellten Flügel und den zurückgezogenen Hals eine Drohgebärde gegenüber Eindringlingen wie beispielsweise Menschen, Hunden und anderen Schwänen. Ein regelrechter Aufstand zur Verteidigung des Nests und Nachwuchs.

Äußerst anschaulich hat dies auch der holländische Maler Jan Asselijin in seinem Gemälde „Der bedrohte Schwan“ dargestellt. Über den Künstler selbst, der um 1610 in Holland oder 1615 in Dieppe (Frankreich) geboren wurde und 1652 in Amsterdam verstarb, sind nur wenige Details bekannt. Selbst über den genauen Geburtsort gibt es bisher keine Einigkeit. Er reiste vermutlich Ende der 1630iger bis Anfang der 1640iger über Frankreich nach Italien. Dort war der Künstler in Rom Mitglied der niederländischen Malervereinigung und hatte aufgrund einer Deformation seiner Finger den Spitznamen „Crabettje“ (Krebs).


Die lichtdurchfluteten und atmosphärischen Darstellungen seiner Landschaftsmalereien spiegeln sich auch hier wieder. Hinter dem aufgestellten Schwan bäumen sich Gewitterwolken auf, das weiße Gefieder des Tieres wird durch den sich verdunkelnden Himmel noch stärker betont. Die Darstellung wirkt dabei nicht übertrieben. Die Flügel ausgespreizt, die Beine weit auseinander, den Hals zurückgezogenen und den Schnabel in Drohgebärde macht sich der Schwan möglichst groß, um sein Nest mit den Eiern zu verteidigen. Erst bei genauerem Betrachten erkennt auch der Betrachter, dass vom linken Bildrand ein Hund angeschwommen kommt. In diesem Fall steht der Schwan als Symbol für die Reinheit und der Hund repräsentiert das Böse; den Eindringling.


Die lebensgroße Darstellung des bedrohten Schwans ist eine Tierdarstellung von Asselijn, der vorwiegend für Landschaftsbilder und Volkslebenmalerei bekannt war. Seine Arbeiten zeichnen sich dabei vor allem dadurch aus, dass seine Bilder lichtdurchflutet und oftmals mit Bezügen zu zeitgenössischen Ereignissen zu finden sind. Dies findet sich versteckt auch in dieser Arbeit wieder. So ist diese Darstellung ein Verweis auf den holländischen Staatsmann Jan (Johan) de Witt. Denn er symbolisiert in Gestalt des Schwans den Verteidiger Hollands gegen Feinde. Wobei Holland hier in Gestalt der Eier (laut Bildinschrift auf dem zu sehenden Schwanenei) und der Hund links im Bild als Feind repräsentiert werden.


Jan Asselijn - Der bedrohte Schwan

Öl auf Leinwand, 1650, 144 × 171 cm, Rijksmuseum, Amsterdam


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