Jacek Malczewski - Johannes der Täufer und Salome

von Alexandra Tuschka

Ein nackter, etwas ausgemergelter junger Mann mit Bart und langen braunen Haaren sieht uns als Betrachter entgegen. Es ist Jesus, möchte man meinen, denn die Frontsicht und die Typologie entspricht der bekannten. Das Thema des "Schmerzensmannes" hat unverkennbare Ähnlichkeiten. Bei diesem Mann aber fehlen die Wundmale, auch die Geißelungssäule, an der wir Jesus in der Haltung oft vorfinden, ist nicht zu sehen. Stattdessen streckt sich uns ein nackter Po mit vergnügt spielerischen Beinen entgegen. Zwei Personen lachen, eine davon ist eine Frau. Und zu guter letzte sehen wir vorne den ausschlaggebenden Hinweise, die Axt, dass es sich hier um Johannes den Täufer handeln muss.

Die hier gezeigte Episode zeigt das herannahende Ende des Täufers. Nachdem er den König Herodes kritisierte, da sich dieser mit seiner Schwägerin einließ, wurde Johannes ins Gefängnis geworfen. Die ebenso beschuldigte Schwägerin Herodias wollte ihn daraufhin töten. Herodes aber zögerte, da das Volk in ihm einen Heiligen erkannte. Die Frau schickte ihr schöne und verführerische Tochter Salome zu einem Bankett. Herodes, angetan von deren Schönheit, gewährte ihr einen Wunsch. "Den Kopf Johannes des Täufers" sagte sie. Diesem Wunsch gab Herodes schließlich nach.


Mit diesem Hintergrundwissen und auch in Hinblick auf die Ikonografie des Themas, können wir die rechte Figur als Salome identifizieren, der oben abgeschnittene Mann ist womöglich ein Gast des Banketts. Um die Hüften von Johannes erkennen wir auch das Kamelfell, mit welchem er sich als Asket bedeckte. Salome scheint den Mann hier zu seinem Henker zu führen.


Mit dieser Interpretation vereint der polnische Maler Malczewski mehrere typische Elemente der Szene. Einerseits macht das Bild seiner Farbwahl her den Eindruck eines fröhlichen Banketts - das Gold und die beiden lächelnden Gesichter stellen eine eigenartige Heiterkeit her, der die Konzentration des Johannes entgegensteht. Der etwas erhöht liegende Nackte verweist auf antike Traditionen, wo man beim Bankett üblicherweise etwas erhöht lag und sich auch andere Szenen wie in einem Theater unten betrachten konnte. Dies wurde bspw. bei den "Rosen des Eligabalus" deutlich gemacht, wo der grausame Kaiser von oben spöttisch zusieht, wie seine Gäste von Rosen bedeckt werden, so vielen, dass sie schließlich darunter ersticken.


Nicht nur die kompositorische Ähnlichkeit, auch diese Zustimmung zum Schicksal macht Johannes und Jesus ähnlich. Tatsächlich gilt Johannes als der Vorbote des Heilands und ist als letzter Prophet auch Vertreter des Alten Testaments. Jesus ist die Verkörperung des Neuen Testaments, so dass beide Figuren einen Kreislauf symbolisieren. In der Kunst entsprechen sie sich in ihrer Physiognomie und sind manchmal - wie hier - nur bei genauerem Hinsehen anhand ihrer Attribute zu erkennen.


Jacek Malczewski - Johannes der Täufer und Salome

Öl auf Leinwand, 1911, 50×31 cm, Privatsammlung


Jan Sanders van Hemessen - Die Verspottung Christi

Öl auf Holz, 1544, 123 x 102,5 cm, Alte Pinakothek, München gezeigt unter den Bedingungen der (CC BY-SA 4.0) https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/


Sir Lawrence Alma-Tadema - The Roses of Heligabalus

Öl auf Leinwand, 1888, 132,1 x 213,9 cm, Sammlung Juan Antonio Pérez Simón, Mexico

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