Francisco de Goya - Der Hund

von Alexandra Tuschka

Wir wissen nicht, aus welchem Grund Goya ein so unkonventionelles Motiv gewählt haben könnte, wie diesen noch zu erkennenden Hundekopf, nur, dass dieses Fresko zu den berühmten „Pinturas negras“ gehört - zu den "schwarzen Bildern", die Goya ab den 1820ern an die Wände seiner Finca del Sordo malte - eine Sequenz morbider, meist alptraumhafter Motive, unter welchen dieses noch recht harmlos erscheint. Das Motiv selbst ist so minimal und unspezifisch strukturiert, dass es von vielen als im höchsten Maße symbolisch eingeordnet wird: der Hintergrund teilt sich in zwei Hälften. Unten zieht sich eine braune Fläche diagonal durch das Bild. Mittig schaut ein kleiner Hundekopf eben dieser Bewegung nach. Der Hintergrund ist mit einem hellen Ockerton durchzogen, der jedoch im rechten Bildteil abrupt abdunkelt.


Den Interpretationen wurden durch die Wiederentdeckung einiger Fotografien neue Aspekte hinzugefügt. Denn die "pinturas negras" wurden nach dem Tod Goyas vom Baron Emile D'Erlanger vor der Zerstörung gerettet. Er kaufte die Finca, ließ die Werke von den Wänden auf Leinwände übertragen und vermachte sie schließlich, nachdem sich kein anderweitiger Käufer finden wollte, dem Prado in Madrid. Fotos eines Zeitgenossen, der vorher die Gemälde abbildete, zeigen allerdings, dass dabei einige Details und Pinselstriche verloren gingen. So entnehmen wir dem Foto, dass ursprünglich der - nun nur noch angedeutete - Felsvorsprung sehr präsent war von dem sich zwei Vögel erheben. Dies führt dazu, dass der Hund ursprünglich den Vögeln hinterherschaute, wie auch frühere Beschreibungen unterstützen.

Das Motiv macht es dem Betrachter aufgrund seiner wenigen Anhaltspunkte schwer, die Szene einzuordnen. Der Rezipient muss sich auf seinen Sinneseindruck und die direkte Emotionalität verlassen. Die Unbehaglichkeit, die viele Menschen beim Betrachten des Werkes verspüren, ist dabei der kleinste gemeinsame Nenner. Viele Interpretationen berufen sich auf die geistige Verfassung Goyas. Der Hund könnte somit die toten Seelen in die Unterwelt begleiten oder aber selbst ein Symbol für die Abgeschiedenheit und Einsamkeit des Malers sein. Die Vögel könnten dabei für die Freiheit stehen, der Hund wiederum könnte im Sande versinken. Zwei Welten, die hier kontrastreich aufeinanderprallen. Oben und unten werden assoziativ oft in „Himmel“ und „Erde“ unterteilt; hier könnte jedoch genauso gut ein Fels oder eine Wand gemeint sein, wie auch das Foto unterstützt. Die Beengtheit der Szene wird zudem durch das langgezogene Format bestärkt.


Das Gemälde hat viele spätere Maler inspiriert, so unter anderem Antonio Saura, der als es gar als das schönste Gemälde der ganzen Welt bezeichnete oder Joan Miró, dem es im Prado am besten gefiel.


Francisco de Goya - Der Hund

Fresko, um 1820, 134 × 80 cm, Museo del Prado in Madrid


Jean Laurent - Der Hund (Fotografie nach Goya)

Foto, um 1874


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