Georges de la Tour - Josef als Zimmermann

von Alexandra Tuschka

In einer innigen, nur von einer Kerze erleuchteten Szene stehen sich alt und jung freundlich gegenüber. Josef ist hier beim Verrichten seiner Arbeit als Zimmermann zu sehen - er bearbeitet ein Stück Holz. Ihm gegenüber sitzt ein junges Kind - demnach Jesus - auf einer Kiste. Dieser hält mit der rechten Hand eine Kerze, die linke schirmt den Schein ab, so dass das Bild nur diese eine, innere Lichtquelle besitzt. Sein Gesicht ist äußerst freundlich, seine Augen sind offen, der Mund zeigt ein Lächeln, oder will gerade etwas sagen. Und allein die Geste des Lichtspendens, zeugt von seinem Willen, den gealterten Josef bei seiner Arbeit zu unterstützen und ist auch symbolischer Natur. Dieser wiederum ist gebückt dargestellt, runzelt die Stirn und scheint in das Licht hineinzusehen. Seine hochgekrempelten Ärmel, die Schürze und die einfachen Ledersandalen zeigen ihn als typischen Handwerker. Ohne den Titel, der die Szene benennt, hätten wir es auch mit einem Genrestück zu tun haben können. Das machte es auch dem einfachen Betrachter leicht, sich mit den Personen zu identifizieren.

Wir haben es mit Josef zwar nicht dem leiblichen Vater, aber doch den Ziehvater von Jesus zu tun. Das Bearbeiten des Holzbalkens, in den er ein Loch bohrt, kann nun als Andeutung auf das Schicksal des Jungen gesehen werden; die gerunzelte Stirn und das Hinüberschauen als Vorahnung. Während freilich auch die helle Erleuchtung Jesu symbolisch gedeutet werden kann, wird der menschliche Aspekt seiner Existenz in den dunklen Fingernägel, die gut zu erkennen sind, deutlich. Dass die Kerze, die ja auch hochsymbolisch ist, aber in erster Linie ästhetische Zwecke hatte, zeigt die Verwendung dieser Lichtquelle in den anderen Nachtstücken de la Tours, die nicht immer nur Heilige zeigen. Vielmehr widmete sich der Maler der Herausforderung, das Bild von innen leuchten zu lassen meisterhaft. Weiterhin zeichnen sich seine Nachtwerke meist durch einen undefinierten, dunklen Hintergrund aus und die starken Schatten innerhalb des Bildes, welche auch die Dramatik erhöhen.

Interessant ist, die Entwicklung der Figur des Josefs auf den Leinwänden zu beobachten. Lange Zeit spielte er nur eine Nebenrolle. Sehen wir uns beispielsweise die Ruhe auf der Flucht an, sind die zwei Protagonisten eindeutig Maria und das Jesuskind, Josef hackt im Hintergrund Nüsse. Er wurde hier nicht nur in seiner Tätigkeit, sondern sogar in der Komposition deutlich vernachlässigt. Bei der Szene der "Flucht nach Ägypten" durfte er weiterhin das Proviant tragen, den Esel ziehen oder ähnliche Hilfstätigkeiten ausführen. In diesem Bild widmete de la Tour ihm die halbe Leinwand und auch der Bildtitel, obwohl anwesend, erwähnt den Jesusknaben nicht. Diese Aufwertung seiner Person vollzieht sich ab Ende des 16. Jahrhunderts, unter anderem durch die Lehren der Teresa von Avila.

Nun finden wir Josef präsenter auf den Leinwänden und auch mal als Hauptrolle zu sehen.

Dabei wird er oft in seiner Tischlerei als einfacher, aber guter und fleißiger Handwerker gezeigt. Das hohe Alter, welches Josefs Ikonografie prägt, ist auch mit dem Ziel verbunden, die unbefleckte Empfängnis für den Betrachter unwahrscheinlich anmuten zu lassen.


Georges de la Tour - Josef als Zimmermann

Öl auf Leinwand, 1645, 137 × 102 cm, Musée du Louvre, Paris


Georges de la Tour - Der Chorknabe

Öl auf Leinwand, 66,7 x 50,2 cm, Leicester Musem & Art Gallery


Gerard David - Die Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

Öl auf Holz, ca. 1510, 45 × 44,5 cm, National Gallery of Art in Washington D.C.

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