Cornelis Gijsbrechts - Fiktive Gemälderückseite

von Thyra Guenther-Lübbers


Über den Künstler Cornelis Norbertus Gijsbrechts ist der Forschung nur wenig bekannt. Noch nicht einmal seine Lebensdaten (*vor 1657 †nach 1675) lassen sich sicher festlegen, geschweige denn sein Ausbildungsweg zum Künstler. Es gibt vereinzelte Angaben auf Grund von Briefwechseln oder eigens von ihm vorgenommenen Datierungen auf seinen Bildern. Letztere gehen allerdings von Daten aus, die auf diversen Briefen in Gijsbrechts Stillleben zu finden sind und können daher nicht als konkrete Quelle dienen. Sicher ist jedoch, dass Gijsbrechts Hofmaler des dänischen Königs Frederik III. und dessen Nachfolger Christian V. im Zeitraum von 1668-1672 in Stockholm gewesen ist. In diese Zeit fällt auch das vermutete Entstehungsdatum dieser Trompe-l´œil Arbeit. Das Bild wurde noch in seinem Entstehungsjahr von der Königlichen Kunstkammer, auch Kuriositäten Kabinett genannt, angekauft, beziehungsweise wurde es höchstwahrscheinlich extra dafür in Auftrag gegeben. Innerhalb der Königlichen Kunstkammer, gab es so genannte Unterkammern. Das vorzustellende Werk wurde in der Perspektiv-Kammer ausgestellt. Die Königliche Kunstkammer ging später in das heutige Statens Museum für Kunst Kopenhagen (SMK) über.

Die Unterbringung des Werkes in der Perspektiv-Kammer verweist bereits auf den Clue des einzigen Bildes der Welt mit zwei Rückseiten. Die Arbeit durfte/darf um zu „funktionieren“ niemals gehängt oder gerahmt werden. Im besten Fall befindet sie sich, wie auch jetzt im Statens Museum, auf dem Boden an einer Wand lehnend. Ausgehend von dieser Ausstellungsposition tritt das Bild automatisch in einen stillen Dialog mit dem Betrachter. Dieser entwickelt den Drang das Bild umdrehen zu wollen und zu erkunden was sich auf der Vorderseite der Arbeit verbirgt. Neben der Neugier stellt sich also auch eine gewisse Erwartungshaltung beim Betrachter ein. Das Integrieren einer Inventarnummer ist ein geschickter Schachzug Gijsbrechts, den Betrachter davon überzeugen zu wollen, dass das Bild eine Vorderseite haben muss, da es offensichtlich bereits Teil der Königlichen Sammlung ist. Schreitet der Betrachter nun näher an das Gemälde heran beginnt der natürliche Prozess einer Trompe-l´œil Arbeit zu greifen. Die Täuschung lebt von der Enttäuschung. Der Betrachter wird also bei näherem hinschauen bemerken, dass Keilrahmen, Leinwand, Nägel sowie Inventarnummer lediglich aufgemalt sind. Oder aber er bemerkt die Täuschung in letzter Instanz beim Herumdrehen der Leinwand.


Das Trompe-l´œil, das seinen Ursprung in der Antike hat, wird im 17. Jahrhundert wiederentdeckt und erfährt vor allem durch niederländische Künstler ein absolutes Revival. Natürlich dürfen Werke dieser Art folglich nicht in der Sammlung des modernen Königs Christan V. von Dänemark fehlen. Dieser drückt dadurch nämlich auch auf eine Weise seine Überlegenheit aus, indem signalisiert wird, dass der König sich nicht täuschen lässt beziehungsweise die Täuschung bereits lange durchschaut hat. In diesem Fall wird die Kunst einmal mehr zum Repräsentanten weltlicher Macht.


Cornelis Gijsbrechts - Fiktive Gemälderückseite

Öl auf Leinwand, 1670/72, 66,4 x 87 cm, Statens Museum for Kunst in Kopenhagen

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