Hieronymus Bosch – Der Steinschneider

von Alexandra Tuschka


Unter dem Begriff „Steinschneider“ können wir uns heute nur schwerlich etwas vorstellen. Im ausgehenden Mittelalter gab es jedoch eine Quacksalbertruppe der besonderen Art. Krankheiten wie Nieren- oder Blasensteine waren bereits bekannt. Die Menschen glaubten, solche Steine würden sich auch im Kopf befinden und wärne die Ursache für Dummheit und Narretei. Eine Gruppe selbsternannter Heiler bot an, diese durch einige Schnitte aus dem Kopf des Betroffenen zu entfernen.

Bosch, der dieses Spiel längst durchschaut hat, führt die Situation in seinem Bild ad absurdum. Er zeigt die Operation im vollen Gange. Dass es eigentlich nur um das Geld des Mannes ging, zeigt der Dolch, der die ledernde Tasche des Mannes zerreißt. Zudem zieht der Heiler auch keine Steine aus dem Kopf des Mannes, sondern „Sumpftulpen“ – Seerosen- die in der Gaunersprache für „Geld“ standen.

Eine Nonne und ein Mönch mit einem Zinnkrug, womöglich ein Symbol für die Trunksucht, unterstreichen die Absurdität der Situation, aber auch den Hang zum Aberglauben. Das Buch auf dem Kopf der Nonne und der Trichter des Arztes links symbolisieren ihre Unverbundenheit zu Gott, da sie sich selber vom himmlischen abgeschirmt haben. Nur der Patient wirft einen mahnenden Blick auf den Betrachter. Eingebettet ist die ganze Szene in eine weite und stille Naturlandschaft.


Quacksalberbilder finden wir vor allem in den genrefreudigen Niederlanden. Hier belustigten sich die höheren Schichten mithilfe solcher Bilder über die Dummheit der Bauern. Damit konnte man sich von ihnen gedanklich absetzen und sein Ego stärken.




Hieronymus Bosch – Der Steinschneider

Öl auf Holz, um 1490, unbekannt, Museo del Prado in Madrid

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