Motive, Symbole, Figuren

Was versteht man unter dem Begriff "Schmerzensmann"?

Der Name „Schmerzensmann“ bezeichnet einen speziellen Christus-Bildtypus, der den Betrachter zur Andacht und zum Mitleiden bzw. Nachempfinden der Passion auffordert. Dieser entwickelte sich aus der byzantinischen Kunst heraus, wo ähnliche Bildmotive bereits im 12. Jahrhundert gefunden wurden. Wie auch bei diesem frühen Werk des Meisters der Madonna Straus aus dem 14. Jahrhundert befindet sich Jesus typischerweise als Halb- oder Dreiviertelfigur bildausfüllend dem Betrachter frontal zugewandt. Meist neigt er jedoch den Kopf zur Seite, die Augen können geschlossen sein. Die Arme sind zumeist vor dem Körper gekreuzt. Dornenkrone und Wundmale werden dem Betrachter präsentiert, um ihn zum Mitfühlen anzuregen. Jesus hat sich aus dem Sarkophag erhoben, was am unteren Bildrand angedeutet wurde. Hier ist der typische Goldgrund dominant, welcher den hohen Wert des Bildmotives unterstreicht. Weitere populäre Bezeichnungen für das Bildthema sind: Erbärmdechristus, Erbärmdebild oder auch Miserikordienbild.

In diesem Werk des Künstlers von Meckenem wird der Schmerzensmann vor dem Kreuz positioniert. Die Mehrheit der Schmerzensmänner steigt aus einem offenen Sarg oder befindet sich vor einem Kreuz. Später werden die Darstellungen freier und Jesus kann sich auch mal in einem Außenraum befinden. Egal wo die Künstler das Bildthema verorten - es handelt sich um eine anachronistische Darstellung, da die gezeigte Szene nicht in der Passion Christi beschrieben wird und so nicht stattgefunden haben kann. Es sich also hier um eine Kombination verschiedener Elemente: Jesus ist lebend, aber mit allen Wundmalen und manchmal weiteren "arma christi" zu sehen. Typisch hier sind die Dornenkrone und die Seitenwunde durch den Lanzenstich, die häufig besonders dominant ins Bild gesetzt wird. Diese finden wir auch bei Dürer wieder. Die Dornenkrone wich hier allerdings einem Heiligenschein.

Der Schmerzensmann ist im Mittelalter und der frühen Renaissance noch verbreitet, verliert sich dann aber im weiteren Verlauf des 16. Jahrhunderts. Manche Künstler fügen weitere Figuren hinzu. So finden wir manchmal – wie beim Thema der Kreuzigung oder der Beweinung Christi– Maria und Johannes zu beiden Seiten des Heilands. Auch sie zeigen Trauergesten, aber können auch Hände oder Arme dem Betrachter zur Verstärkung der Wirkung präsentieren. Bei diesem Werk von Martin Schaffner, welches sich deutlich an den Dreieckskompositionen von italienischen Beweinungsszenen orientiert, ist dies freilich sehr drastisch ausgefallen. Christus schaut uns unerschrocken und ein wenig anklagend aus dem Bild direkt in die Augen. Seine Wunden sind so frisch, dass sie noch bluten. Maria und Johannes unterstützen sanft die Bewegungen, Johannes hält in einer Hand ein Stück des Leichentuchs. Manchmal kann das Einfügen von göttlichen Engels Im Motiv ein wenig Trost spenden, da es die Aussicht auf die Aufnahme im Himmel verkörpert. Hier allerdings zeigen sie uns die „Arma Chirsti“ die Geißelungswerkzeuge und erinnern uns erneut auf den Leidensweg Christi.

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