6 Vertreibung aus dem Paradies

(Gen 3,8 - 3,24)
Auf den Sündenfall folgt Gottes grausame Strafe. In der Bibel geht diese Strafe von ihm selbst aus, allerdings wird auf den meisten Werken ein Engel zu dessen Stellvertreter. In Szenen der Vertreibung sind Adam und Eva oft schlagartig älter oder abgekämpfter und entfernen sich aus dem Garten Eden durch ein Tor. Manchmal sind schon Kain und Abel als Kinder zu sehen oder die Künstler integrieren die Figur des Todes als Vanitassymbol.

Im Mittelalter wurde der Sündenfall noch als Drama wahrgenommen, seit der Renaissance aber auch der positive Aspekt gesehen. Die Bewusstwerdung des Menschen als der Beginn der Kulturgeschichte.

In zwei Szenen gegenübergestellt und durch den Baum der Erkenntnis und die Schlange getrennt, könnte der Kontrast zwischen Paradies und weltlichem Leben nicht deutlicher gemacht werden. Adam und Eva sind links noch schön und ideal, rechts hingegen gealtert und fahl.

Die Schlange ist hier als Mischwesen zu sehen, der Oberkörper ist ebenfalls einem Frauenkörper entlehnt. Dadurch wird die "Schwesternschaft" der Schlange und Evas deutlich, die sich in der Renaissance verkörperte.

Erzengel Michael vertreibt die nun Entstellten mit seinem Schwert aus dem Paradies und aus dem rechten Bildrand hinaus. Er, wie auch Gott, haben keine Gnade mit den beiden.

Michelangelo deutet zwar die Umgebung nur an, dennoch finden wir hier links noch üppige Vegetation am Baum und Felsen, hingegen rechts nur noch öde, weite Landschaft ohne jegliche Früchte.

Michelangelo – Adam und Eva und die Vertreibung aus dem Paradies
Öl auf Leinwand, 1509, Sixtinische Kapelle, Florenz

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