23 Rahel und Jakob

(Gen 29 - 31)
Jakob kommt nach einigen Tagen in Haran an; doch bevor er seinen Onkel Laban trifft, begegnet er dessen schönen Tochter Rahel an einem Brunnen. Jakob ist gleich hin und weg von dem Mädchen. Er hebt einen schweren Stein vom Brunnen und tränkt ihre Herde. Laban wird Jakob zu 14 Jahren Dienst bei sich verpflichten, bis er Rahel schließlich freigibt. Dementsprechend steht die Brunnenszene für den Beginn einer großen Liebe, die selbst durch viele Hindernisse hindurch nicht aufgegeben wird. Die Brunnenumgebung findet sich auch bei Eliezer und Rebekka und bei Mose und Zipporah. Das Motiv des Tränkens der Herde ist dabei eine Geste der Gastfreundschaft und Barmherzigkeit und unabdingbar für das Überleben von Wanderern und Nomaden.

Diese Szene stellt das - sich erkennende - Paar in den Mittelpunkt. Jakob wird meist mit Attributen als Hirte ausgewiesen, manchmal begleiten die Szene auch Herdentiere. Die Begrüßung kann unterschiedlich ausfallen: von einer lockeren Geste bis hin zu einem Kuss ist alles dabei. Die Szene kann dabei in eine weitläufige Naturlandschaft versetzt werden und erfreut sich seit dem 16. Jahrhundert großer Beliebtheit.

In der Mitte stehen Rahel und Jakob, offenbar bereits einvernehmlich. Jakob drückt seiner Auserwählten einen Kuss auf die Stirn. Die linke Hand scheint noch nicht ganz überzeugt zu sein; dennoch ist ihre Körperhaltung offen.

Einige Hirten haben es sich im Schatten bequem gemacht und beobachten die Szene. Sie scheinen wenig beeindruckt, eher ein wenig gelangweilt und verwirrt durch die vordere Szene zu sein.

Rechts wird die Herde am Brunnen getränkt. Ob in der Rückenfigur Rahels Schwester Lea zu sehen ist, die manchmal von den Künstlern im Bild integriert wird, ist nicht klar.

Die ganze Szene ist in eine weite Landschaft eingebettet, die durch eine starke Verblauung viel Tiefenraum herstellt.

Joseph von Führich - Jakob und Rahel
Öl auf Leinwand, 1836, 66 x 92 cm, Österreichische Galerie Belvedere, Wien

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