17 Hagar und Ismael

(Gen 16; 21,7 -21,25)
Nachdem die Prophezeiung für Sarah endlich wahr wurde und sie im hohen Alter den Sohn Isaak bekommen hat, duldet sie die Magd Hagar, die einen gemeinsamen Sohn mit Abraham hat, nicht mehr im Haus. Sie hat Angst, dass der - nun 13-jährige Ismael - erbberechtigt sein könnte. Abraham zögert, doch beugt sich schließlich dem Willen seiner Frau; auch, weil er von Gott Unterstützung zugesichert bekommen hat. In der Wüste aber ging Hagar das Wasser aus. Um ihren Sohn nicht sterben zu sehen, entfernte sie sich von ihm. Durch die Hilfe Gottes jedoch, führte er Hagar zu einem Brunnen und prophezeite Ismael die Stammvaterschaft für ein ganzes Volk - die Ismaeliten (Beduinen)

Zwei Szenen beschäftigten die Galeriebilder, vorwiegend im 16. und 17. Jahrhundert: die Verstoßung und die Hilfe in der Wüste. Bei ersterem Thema sieht man zumeist die Trauer in Abraham, der gegen seinen Willen Hagar und seinen Erstgeborenen wegschickt. Um die Dramaturgie zu verdeutlichen, kann Sarah hinzugefügt werden. Die Szene spielt oft in einem Hauseingang und deutet ins Freie.

Die Szene in der Wüste hebt die Verzweiflung Hagars hervor, die sogar als Mutter ihren Sohn verlässt, da sie in einer solchen Hilflosigkeit steckt. Nicht immer wird sich hierbei an den Bibeltext gehalten; oft sehen wir auch die beiden zusammengekauert in der Wüste.

Lorrain hat - für ihn typisch - das Hauptaugenmerk auf die Landschaft gelegt und öffnet den Betrachterblick in grüne Weiten. Eine "Wüste", wie die Bibel sie beschreibt, weicht hier einer eher üppigen Vegetation.

Vorne links führt Abraham Hagar und Ismael ins Freie. Sarah ist nicht zu sehen, wohl aber Isaak, der aus dem Dachgiebel die Szene beobachtet.

Die Landschaft wirkt überraschend beruhigend: der See ist still, die Sonne taucht die Szene in ein warmes Abendlicht, zwei Ziegen grasen auf dem Weg. Noch nichts weist darauf hin, dass Hagar sich mit ihrem Sohn bald verlaufen sollte.

Die Figuren waren unabdingbar, um das Gemälde im Sinne der akademischen Einstufungen aufzuwerten. Ohne sie wäre es ein einfaches Landschaftsbild - nun liegt ein Historiengemälde vor, was von der Akademie als die höchste Malkunst betrachtet wurde.

Claude Lorrain - Die Verstoßung der Hagar
Öl auf Leinwand, 1668, 106,5 x 140,3 cm, Bayerische Staatsgemäldesammlung in München

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