11 Die Trunkenheit Noahs

(Gen 9,18 - 9,27)
Nachdem sich die Familie im neuen, fruchtbaren Land niedergelassen hat, betrieb Noah auch Weinbau. Eines Abends aber trank er zuviel und fiel in seinem Rausch in einen tiefen Schlaf. Dabei wurde unwillentlich seine Scham entblößt. Einer seiner drei Söhne, Ham, sah dies und machte seine Brüder Japhet und Sem. darauf aufmerksam. Diese aber, aus Respekt vor dem Vater, näherten sich diesem nur rücklings und bedeckten ihn mit einer Decke. Noah, der am nächsten Tag davon erfuhr, verfluchte Ham und dessen Sohn Kanaa.

Diese Episode diente als theologische Grundlage für die Unterdrückung ganzer Völker, denn das Verhalten der Söhne bestimmte das Schicksal der Nachkommen. Während Japhet und Sem als Sammvater der Europäer und Juden (Semiten) gelten, wurde Ham als Stammvater der Afrikaner gesehen. Auch die heiligen drei Könige gehen auf diese drei Grundstämme der Bibel zurück. Diese Szene entspricht typologisch der Verspottung Christi. Sie beschränkt sich meist auf die vier Figuren. Elemente wie Weinreben, Gläser, Fässer oder ähnliches deuten auf die Trunkenheit hin. Die Differenzen der Söhne zeigt sich in ihren Gesichtern (Hübsch, hässlich) und ihren Gesten.

Noah liegt schlafend und untenrum nackt im rechten Bildteil. Seine Beine sind ein wenig gespreizt, so dass der Betrachter erahnen kann, welch guten Blick auf sein Geschlecht sich frontal zeigen würde.

Einer der Brüder scheint Ham mit erhobenem Zeigefinger zu ermahnen. Dennoch haben dieser, der auffallend hässlich zu sehen ist, und sein Sohn spöttische Gesichtsausdrücke. Beide Söhne haben Hirtenstöcke aus Holz in der Hand und sind grundsätzlich ähnlich gekleidet.

Die beiden Brüder Japhet und Sem nähern sich dem Vater rücklings. Der linke hat das dunkle Tuch deutlich in der Hand. Wir als Betrachter allerdings haben eine wunderbare Sicht auf den Betrunkenen.

Noah ist durch ein kräftiges, rotes Tuch wie auf dem Präsentierteller hervorgehoben. Er hält noch eine Traubenrebe in der Hand, die Gefäße sind umgestoßen und verbildlichen, dass er nicht mehr Herr seiner Sinne war.

Giovanni Andrea de Ferrari - Die Trunkenheit Noahs
Öl auf Leinwand, 1630 - 1640, Galleria Nazionale, Parma

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