William Pether nach Joseph Wright of Derby - Drei Männer betrachten den borghesischen Fechter

von Lisa Scheffert


William Pethers Schabkunstblatt ist eine Reproduktionsgraphik des 1765 erstmalig von Joseph Wright of Derby in der Society of Artists ausgestellten Gemäldes „Three men viewing the gladiator by candlelight“. Gezeigt wird eine Kerzenlichtszene, in der drei Männer in einem sonst dunklen Raum, um einen Tisch herumsitzen und die Statue betrachten, die sich auf dem Tisch befindet. Das Zentrum der Komposition ist gleichzeitig der hellste Bereich des Gemäldes und somit auch des Mezzotintos. Die Lichtquelle ist jedoch nicht zu sehen, lediglich der Kerzenhalter und ein Teil der dort eingestellten Kerze sind zu erkennen. Der Mann, der dem Betrachter den Rücken zuwendet, verdeckt die Flamme der Kerze mit seinem Oberkörper, sein Gegenüber wird besonders vom Licht angestrahlt, und auch die Statue des Fechters, die so gestellt ist, dass sie dem Licht „entgegen geht“ wird von vorne erhellt. Gleichzeitig wird so vermieden, dass der Betrachter direkt ins Licht schauen kann, und so ergibt sich eine dunkle Komposition mit weichem indirektem Licht.

Bei der betrachteten Statue handelt es sich um den borghesischen Fechter (engl. Gladiator), eine von Agasias von Ephesos um etwa 100 v. Chr. geschaffene Skulptur eines Kämpfers, der vermutlich auf seinem nach vorne ausgestrecktem Arm ein Schild hielt und mit der anderen Hand ein Schwert oder Speer führte. Diese Statue befindet sich heute im Louvre und ist im Original etwa 1,99 m groß, weshalb man davon ausgehen kann, dass die Männer eine Miniatur-Reproduktion betrachten. Der kleineren Tisch-Statue fehlt die Stütze in Form eines abgebrochenen Baumstammes und im Gegensatz zum Original steht sie auf einem Postament, das an die Basis einer antiken Säule erinnert. Die Statue ist ganz in der klassizistischen Tradition muskulös dargestellt, jeder Muskel ist fein herausgearbeitet, der Fechter ist ganz unbekleidet abgebildet, bis auf das angedeutete Schild am Unterarm und dem Rest vom Griff des Schwertes in seiner Hand, trägt er nichts bei sich.

Wer die drei abgebildeten Personen sind, ist nicht klar. Sie tragen für das 18. Jahrhundert in England typische mittelständische Kleidung, andere auffällige Erkennungsmerkmale gibt es nicht. Rechts im Bild, gegenüber der Fechter-Statue, ist eine Zeichnung der Statue zu sehen. Ein kleiner Ausschnitt der Rückenansicht des Fechters ist auf diesem Blatt abgebildet, und ermöglicht es so dem Betrachter die Statue noch aus einer weiteren Perspektive zu sehen.


In der Kunstgeschichte wurden in Gemälden oft Spiegel abgebildet oder ein Bild im Bild gezeigt, um deutlich zu machen, dass die Malerei genauso wie die Bildhauerei verschiedene Ansichten einer Person in einem Werk zeigen kann. Dieser Wettstreit, auch Paragone genannt, könnte hier angedeutet sein, vielleicht wird aber lediglich auf die Antike verwiesen und die in den Akademien verbreitete Lehrmethode nach antiken Vorbildern zu zeichnen.


Joseph Wright of Derby war im 18. Jahrhundert der einzige Maler von Nachtstücken und dachte sich, vermutlich aufgrund des Mangels an Bildthemen, eigene Themen aus, und erntete mit seinen zwei Meisterwerken, „A Philosopher lecturing on the Orrery“ 1766 und „An Experiment on a bird in the Air Pump“ 1767/68, Ruhm als Maler der industriellen Revolution.


Vor dem Hintergrund einer englischen Gesellschaft, in der sich eine Mittelschicht ausbildete, das Interesse an Wissenschaft wuchs und Philosophen mit Tischplanetarien umherzogen, um die Gesellschaft über das Universum zu unterrichten; kurz gesagt, vor dem Hintergrund der Aufklärung, kann auch das hier thematisierte Gemälde bzw. die Reproduktionsgraphik gesehen werden.

Die Komposition übernimmt Pether genau von seinem Vorbild, dem Gemälde von Joseph Wright, und verwandelt sie in einen Druck der Größe ca. 47,1 cm (beschnitten) x 55,4 cm. Die Schabkunst eignet sich besonders für Darstellungen von Kerzenlichtstücken. Statt des Einritzens von Linien, die später Muster und Körper ergaben, in eine Kupferplatte, wie es beim sogenannten Kupferstich üblich war, wird beim Mezzotinto die gesamte Platte mit einem Wiegeeisen bearbeitet und später mit einem Polierstahl an den Stellen wieder geglättet, die im Druck hell erscheinen sollten (Negative Arbeitsweise). Die Stellen, an denen nicht oder nur wenig geglättet wird, erscheinen dann samtig schwarz (oder in abgestuften Grautönen) und als einheitliche Fläche. Durch diese Wirkung, die fließende Lichtübergänge ermöglicht und somit das Chiaroscuro eines Kerzenlichtstückes perfekt reproduzieren kann, erscheint es nicht verwunderlich warum Joseph Wrights Werk als Schabkunstblatt reproduziert wurde.


Beim Bearbeiten der Druckplatte mit dem Wiegeeisen muss Pether besonders sorgfältig vorgegangen sein, denn die dunkelsten Flächen erscheinen schwarz und gleichmäßig. Das Licht wirkt durch die feine Abstufung der Kontraste besonders echt und eindrücklich, im Zentrum der Komposition, gleichzeitig am hellsten Punkt des Druckes, muss Pether die Platte beinahe gänzlich geglättet haben, um das Gesicht des jungen Mannes so hell und mit derartig glatter Haut darstellen zu können. Im Vergleich zum Original erschienen die Kontraste im schwarz-weiß des Druckes stärker, das Licht verleiht so der Szene eine intimere, geheimnisvollere Ausstrahlung und wird gleichzeitig selbst zum B