Max Slevogt - Weiblicher Rückenakt

von Frauke Maria Petry


In Max Slevogts großformatigen Ölgemälde schreitet ein weiblicher Akt in roten Pantoffeln und mit einer langen Kette spielend zwischen verschiedenen Stoffen. Die Umgebung erinnert an ein heimisches Wohnzimmer, aber auch an eine Haremsszene. Die nackte Frau mit hochgestecktem Haar präsentiert ihre Rückseite im klassischen Kontrapost . Die Haltung gilt seit der Antike als idealer Ausgleich zwischen Anspannung und Bewegung des menschlichen Körpers. Der obere Bildanschnitt erweckt die Illusion, der Dame folgen zu können. Im exotischen Ambiente wird sie Ziel sexuellen Begehrens.

Im 19. Jahrhundert dienen stereotypische Vorstellungen vom Orientalismus der Legitimation der Aktdarstellung. Außerdem verwischen in der Kunst zu dieser Zeit Alltagswelten mit der von Akademien geförderten „Hochkunst“. Diese sehen das Aktstudium als wesentlich an. Doch weibliche Aktmodelle waren bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts nur in Privatateliers anzutreffen. Sie wurden gesellschaftlich oft mit Prostituierten gleichgesetzt, da sie sich für Geld auszogen.


Paradoxer Weise aber wurde ab dieser Zeit bei einem Akt von der Darstellung des weiblichen, nicht des männlichen Körpers ausgegangen. Ebenso formte sich eine sexuelle Symbolsprache zu diesem. Die Darstellung des menschlichen Körpers ist immer Spiegelbild der gesellschaftlichen Auffassung vom Menschen: Die Rolle der Frau wandelt sich zwar in der Moderne durch Industrialisierung, wirtschaftliche Unabhängigkeit und bessere Bildungschancen der Frau. Aber das Bild der Frau ist durch den erotischen Blick heterosexueller Künstler determiniert. Feministisch gesehen wird der weibliche Körper zum Objekt degradiert. Die Frau bleibt in der ihr zugewiesenen Geschlechterrolle und Abbild männlicher Sexualfantasien sowie Schönheitsidealen.


Max Slevogt - Weiblicher Rückenakt

Öl auf Leinwand, 1905, 163 x 130,5 cm, Museum Kunstpalast in Düsseldorf

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