Motive, Symbole, Figuren

Was ist eine „Apotheose“?

Was eine „Apotheose“ ist, kann man recht schnell herausfinden, wenn man den griechischen Wortursprung kennt – es bezeichnet die „Vergöttlichung“. Damit ist also der Aufstieg eines Menschens in die Rige der Götter gemeint. Wie aber soll das gehen? In fast allen Religionen gibt es doch nur einen Gott.

Im antiken Griechenland allerdings gab es eine ganze Götterschar. Sterblichen, die besondere Heldentaten vollbracht haben, konnte diese Ehre dann zuteilwerden. Das war die höchste Anerkennung, die ausgesprochen werden konnte, da man sich unsterblich machte. So wurde zum Beispiel Herkules, den wir hier auf einem Streitwagen sehen, mitsamt seinen Attributen – Keule und das Fell des Nemeischen Löwen – vergöttlicht.

Herkules 12 Heldentaten waren schon eine Weile her, als er einer List aus einem brennenden Feuer vor dem Tod gerettet und zum Olymp – dem Sitz der Götter – entrückt wurde. Hier begegnet er Jupiter, dem Göttervater. Kleine Putti begleiten den Wagen, weltliche Feinde fallen mühelos von diesem ab. Hiermit wird auch das Elend angedeutet, welches der Held nun zurücklassen wird.

Apotheosen boten sich als Deckengemälde an, so wie auch hier zu sehen, da der Blick nach oben und die Öffnung des Raumes über dem Kopf des Betrachters das Bildmotiv raffiniert unterstützt. Besonders im Barock erlebten diese pompösen, feierlichen Themen wieder ein Aufflammen.

Es gab aber auch die „politische“ Apotheose. Diese Praxis begann im alten Griechenland, wo sich vereinzelt Kaiser schon zu Lebzeiten vergöttlichen ließen und wurde von den römischen Kaisern dann verstärkt wieder aufgegriffen. Man sprach den Menschen so natürlich eine besondere – göttliche Macht und Einflussnahme – zu. Auch legitimierten die Kaiser mit diesem Akt ihren Herrschaftsanspruch.

So sehen wir hier bspw. Cäsar, der allerdings erst nach seinem Tod vergöttlicht wurde. Auch auf diesem Werk, wiederum ein Deckengemälde, sehen wir eine vielfigurige Szene. Cäsar links im Bild schwebt Gottvater Jupiter, auch hier mit Hilfe einiger Putti entgegen. Andere Götter wie Mercur oben links oder Neptun mit dem Dreizack daneben begleiten die Szene. Cäsar ist hell erleuchtet und über seinem Lorbeerkranz blitzt ein kleines Licht auf.

Napoelon III., ein Neffe Napoleons I. gab zu Lebzeiten dieses Werk in Auftrag, was von einem ziemlichen Selbstbewusstsein zeugt. Wie schon Herkules lässt er sich aufrecht auf einem goldenen Streitwagen ziehen und wird dabei – wie in einer Parade – von allerlei schönen Frauen und Allegorien begleitet. Niemand geringeres als Athena, die Göttin des Krieges und wiederum Herkules führen die Pferde. Im Hintergrund winken undeutlich die Vorfahren. Das Jahr der Fertigstellung des Werkes war das gleiche wie die Kriegserklärung unter diesem Herrscher an Russland, harten Kämpfen mit großen Verlusten im Laufe der nächsten Zeit. Allerdings schlossen bereits ein Jahr später Friedensverhandlungen an. Man sieht an diesem Werk gut, dass die politische Apotheose auch gut zu Propagandazwecken eingesetzt werden konnte, um bspw. den Feind zu beeindrucken oder demoralisierte Gruppen zu stärken.

Wie bereits erwähnt können monotheistische Religionen wie das Christentum natürlich niemanden vergöttlichen, daher bezeichnet Apotheose manchmal auch einfach verallgemeinernd eine „Verherrlichung“ oder „Verklärung.“ Die Bildthemen, die denen der bereits gezeigten Werke nahekommen, das sind sogenannte „Himmelfahrtsszenen“ wie diese des heiligen Erasmus. Die Elemente sind unschwer zu erkennen, auch wenn die christlichen Sujets ein wenig reduziert werden. Nicht ganz so pompös, etwas intimer sind Himmelfahrtsszenen, jedoch unterstützen hier ebenso oft Putti das Geschehen. Der Himmel bricht auf und wie von einer unsichtbaren Hand, wird Erasmus in den Himmel getragen. Erasmus von Antiochia war ein früher Bischof, dessen Martyrium oft auf Bildträgern gezeigt wird. Ihm wurden mit einer Winde die Gedärme aus dem Körper gezogen. Hier verweist der kleine Engel unter an diese Folter, indem er die Folterwerkzeuge hereinbringt. Auch die Mitra macht das Bildthema erkennbar. Anders als in der Antike ist Demut ein unabdingbarer christlicher Wert für die Anerkennung im Himmel. Durch die offene Körperhaltung und die Hingabe zu dem Geschehenen können wir hier– im Gegensatz zu den bisher gezeigten Beispielen – immerhin ein wenig von dieser ausmachen.

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